Start-ups gründen ist Männersache?

So soll sich das ändern!
24
Mai

Start-ups gründen ist Männersache? So soll sich das ändern!

Ein Artikel von unserem Partner Für-Gründer

Trotz der voranschreitenden Gleichberechtigung bleibt die Gründerszene ein von Männern dominiertes Feld. Weit verbreitete Stereotypen machen es vielen Gründerinnen –trotz gleicher Eignung– schwer, Investoren zu finden. Mit dem Fempreneur Summit am 9. Juni will Maxi Knust, Gründerin des digitalen Magazins Fempreneur, die weibliche Gründerszene versammeln und ihre Potenziale fördern.

Hallo Maxi, bitte stelle dich doch kurz unseren Lesern vor.

Ich bin Gründerin des digitalen Magazins Fempreneur. Mir hat damals selbst ein Format für angehende Gründerinnen gefehlt, auf dem ich mich informieren kann, hilfreiche Tipps erhalte und andere Gründerinnen und Geschäftsmodelle entdecke. Bei den meisten Gründerstorys, die ich damals las, ging es meist nur um die Höhe der neusten Finanzierungsrunde oder der des Exits.

Wirklich inspiriert fühlte ich mich dadurch aber nicht zu gründen. Mittlerweile weiß ich auch aus eigener Erfahrung sehr gut, was Selbstständigkeit und Gründung für einen selbst überhaupt bedeutet. Und genau diese Einblicke möchte ich unter anderem durch die Fempreneur-Interviews und -Porträts auch den Leserinnen geben.

Zu Beginn des Jahres kamen dann noch zwei weitere Projekte zum Magazin hinzu. Zum einen arbeite ich derzeit mit Val Racheeva, Gründerin des globalen Unternehmerinnennetzwerks Wefound.org, an dem ersten Female Founders Buch im deutschsprachigen Raum. Und als Fortsetzung der letztjährigen Meetups und Events wird in diesem Jahr nun zusammen mit meinem Geschäftspartner Stephan Baasch die eintägige Konferenz Fempreneur Summit mit anschließender Networking-Party am 9. Juni in Berlin veranstaltet.

Gründerinnen sind in der Unternehmerwelt fast immer in der Minderheit. Gründerwettbewerbe, der Anteil an Frauen beim EXIST-Gründerstipendium sowie der DSM zeigen das. Was glaubst du, woran das liegt?

Das ist natürlich zum einen historisch gewachsen. Dass Frauen wirklich per Gesetz gleichberechtigt sind und ohne Erlaubnis des Mannes arbeiten dürfen, ist eben noch nicht einmal 40 Jahre her. Erst seit 1977 dürfen Frauen ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten gehen. Und bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein eigenes Bankkonto eröffnen. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen.

Zuvor war entsprechend die Businesswelt reine Männerdomäne, die Zeit der Old Boys Clubs – und ist es teils noch heute. Da als Frau reinzukommen war und ist schwer. Das zeigt auch der Blick auf die Zahlen:

Laut Statista betrug 2015 der Frauenanteil in Führungspositionen in Unternehmen ab 10.000 Mitarbeitern bei 15,8 Prozent.

Innerhalb der Generation Y ist die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen aber wesentlich vorurteilsfreier und toleranter. Gleichberechtigung bedeutet aber eben nicht sofort Gleichverteilung von Männern und Frauen in den Branchen, Führungspositionen und der Gründerlandschaft. Das liegt meiner Meinung daran, dass Wandel und Veränderung seine Zeit braucht und gerade auch die eher risikoaversen und sicherheitsorientierten Deutschen gern auf bewährte Strukturen vertrauen und Neues nur langsam zulassen. Auch Frauen in gleiche Positionen zu bringen, ist eine Frage des Wandels.

Schließlich spielt auch die Sozialisierung eine wichtige Rolle. Welche Geschlechterbilder haben wir vermittelt bekommen oder unbewusst miterlebt? Generation Y wurde durchaus noch stereotyp erzogen: Barbie und rosa für Mädchen, Autos und blau für Jungs. Auch Technik und Wissenschaft wurde eher als Jungsding gesehen und entsprechend wurden weniger Mädchen an dieses Thema herangeführt beziehungsweise begeistert. Das rächt sich jetzt natürlich. Doch das Schöne ist, dass die Pioniere unserer Zeit dieses Problem bereits erkannt haben und es mittlerweile tolle Initiativen gibt, schon an Kinder und Jugendliche heranzutreten und Jungs sowie Mädchen die Themen IT, Tech und Coding, aber auch Gründen als interessante Optionen aufzuzeigen, wie zum Beispiel StartupTeens oder GirlswhoCode. Es gibt also durchaus Hoffnung.

„Was kann man jetzt also tun? Meine Antwort: Empowerment! Meiner Meinung nach ist es wichtig, Menschen zu inspirieren, sich über ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden und sich ganz auf diese zu konzentrieren." 

Denn genau das gibt das nötige Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, das es für eine Unternehmensgründung braucht. Das fehlt vielen Frauen leider noch. Und mir selbst ging es genauso. So manches Mal geht es mir heute auch noch so, weshalb ich gemerkt habe, wie wichtig Vorbilder sind, die inspirieren. Deshalb gibt es auch Fempreneur, das Female Founders Buch und den Fempreneur Summit. Alles Kanäle, um die Potenziale der Frauen zu fördern und sie zum Gründen zu ermutigen. Denn Selbstständigkeit bedeutet für mich die Möglichkeit zur größtmöglichen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Was können Gründerinnen besonders gut?

Ich denke, dass jeder Mensch seine individuellen Stärken und Fähigkeiten hat, unabhängig vom Geschlecht. Was mir allerdings im Rahmen der Female Founder-Book-Interviews mit erfolgreichen Gründerinnen aufgefallen ist, ist dass vor allem ein gutes Team sehr geschätzt und als Maßstab für den eigenen Erfolg herangezogen wird. Es zählt mehr der Community-Gedanke als der eigene Ego-Erfolg.

„Jeder Investor wird bestätigen, dass das richtige Team ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Eine gute Stimmung im Team, die durch Authentizität, Offenheit und Kommunikation gelebt wird, macht einen wesentlichen Unterschied, egal ob in Start-ups oder Konzernen."

Mit welchen Vorurteilen müssen Gründerinnen heutzutage noch kämpfen?

Glücklicherweise sind die Themen „Mehr Frauen in Unternehmen, IT und Führung“ sowie „Mehr Gründerinnen“ sogar Trendthemen. Unternehmerisch als Frau erfolgreich sein, wird somit in. Auch viele Männer, die ich kennengelernt habe, unterstützen das, da sie die Vorteile der gleich verteilten Zusammenarbeit mit dem anderen Geschlecht sehr schätzen und offen für gemeinsame Lernerfahrungen sind. Daher habe ich persönlich bislang keine klassischen Vorurteile kennengelernt.

„Ein weiteres wichtiges Thema ist die stark männerdominierte Investorenbranche. Egal ob sich ein männlicher Investor einfach nur stärker mit einem männlichen Founder identifizieren kann oder es tatsächlich Vorurteile gibt à la „Ob eine Frau ihr Start-up wirklich alleine stemmen kann und das ohne Co-Founder…“ – noch immer ist es schwieriger für Frauen an Kapital zu kommen."

Obwohl die USA im Bereich Kapital und Innovations-Ökosystem Vorreiter sind, erhielten laut Dwen-Scorecard von Dell lediglich drei Prozent der Start-ups mit einem weiblichen CEO im Jahr 2014 Risikokapital. Hier braucht es meiner Meinung nach mehr weibliche Investoren – sowie mehr männliche Investoren, die in Gründerinnen vertrauen und sie unterstützen. Das Potenzial haben Frauen auf alle Fälle.

Ihr stellt gerade den ersten Fempreneur Summit in Berlin auf die Beine. Worum geht es?

Es geht darum, zum einen durch Gründerinnenvorbilder Inspiration für selbstständige und gründungsinteressierte Frauen zu geben. Wie ich durch den Austausch mit inspirierenden Menschen wie den Fempreneur Summit-Speakerinnen Val Racheeva selbst erlebt habe, kommt Empowerment von Innen. Das bedeutet ganz konkret, dass unser Mind-Set, also unsere Glaubenssätze, stark für den eigenen Erfolg im Leben und das Business ausschlaggebend sind.

Eine derartige Inspiration möchte ich mit noch mehr Menschen teilen. Daher arbeiten mein Geschäftspartner Stephan Baasch und ich seit Anfang 2016 am ersten Fempreneur Summit, der gleichgesinnte Menschen zusammenbringt, ihnen einen bereichernden Tag bietet und Mehrwert durch Denkanstöße sowie diverse hochwertige Inhalte bietet.

Welche inhaltliche Ausrichtung verfolgt ihr beim Summit?

Auf dem Fempreneur Summit geben wir Einblicke in unterschiedlichste Themen, das sind unter anderem:

  • Crowdfunding
  • Storytelling
  • Passion Business
  • Mind-Set
  • Blogging
  • Food-Start-up
  • Accelerator
  • Inkubator
  • Solopreneurship

„Ziel ist es, durch eine Vielfalt an Keynotes den Teilnehmerinnen Ideen für die eigenen nächsten Business-Steps zu geben. Unterschiedliche Branchen, unterschiedliche Geschäftsmodelle und Start-up-Ansätze sollen Inspiration zum eignen Weg geben, ganz nach unserem Event-Motto: „Believe in yourself & do it your own way!“

Warum richtet ihr euch hauptsächlich beziehungsweise nur an Frauen?

Genau wie im Online-Magazin Fempreneur, richtet sich die Kommunikation und Bildsprache an die Zielgruppe der Frauen, um diese mit den Themen Start-up und Gründung noch näher zusammenzubringen, aber gleichzeitig auch zu ermutigen und motivieren, daraus Wissen für ihren eigenen Weg zu ziehen.

"Da die Themen inhaltlich zu über 90 Prozent geschlechtsneutral sind, hat Fempreneur mit über 30 Prozent auch eine große männliche Leserschaft. Ich habe oft von Männern das Feedback bekommen: „Ich bin zwar nicht deine Zielgruppe, aber ich finde deine Seite echt toll.“

Das freut mich besonders, denn obwohl ich zwar meinen Fokus auf die weibliche Gründerszene lege, ist es mir natürlich ein Herzensanliegen, die Geschlechter zusammenzubringen und nicht zu spalten. Wie ich bereits gesagt habe: Es geht nicht darum unser eigenes, kleines Frauengrüppchen zu machen.

Und genau das ist ja auch das Ziel von Fempreneur und dem Fempreneur Summit: Frauen zu empowern, damit sie genauso selbstverständlich in Führungspositionen und in der Gründerwelt mitmachen können. Denn eine facettenreiche Gründerlandschaft führt auch zu mehr Ideenvielfalt und Innovation. Davon profitieren alle. Daher richten wir uns zwar an Frauen, aber freuen uns natürlich auch über männliche Teilnehmer, die ebenso Interesse an den inhaltlichen Themen des Events haben.

Welche konkreten Veranstaltungsangebote haltet ihr für Fempreneure bereit?

Am 9. Juni finden tagsüber im Babylon Kino in gemütlichen Kinosesseln jeweils halbstündige Keynotes von unseren Speakern statt. Am Abend wechseln wir dann die Location, um im sommerlichen Ambiente gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen und uns besser kennenzulernen.

Welche Fempreneure beeindrucken dich am meisten und warum? Warum sind Sie Vorbilder?

Ich hatte eigentlich nie klassische Vorbilder, die man sich als Maßstab setzt und zu ihnen nach oben aufblickt. Vielmehr habe ich mich gerne durch andere Menschen und Geschichten inspirieren lassen und immer geschaut, was ich selbst daraus machen kann.

„Eine Person, die mich bereits ganz zu Beginn der Gründung inspiriert hat, war Lea Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie. Vor etwa zwei bis drei Jahren gab es nur selten Gründerinnen. Und eine der wenigen, die in den Start-up-Magazinen als Female Founder auftauchte, war Lea."

Umso mehr habe ich mich auch auf unseren Interviewtermin für das Female Founders Book gefreut, um sie im persönlichen Gespräch näher kennenzulernen. Beeindruckt hat mich, dass Lea in bereits jungen Jahren ein erfolgreiches Start-up aufgebaut hat und durch sympathische Offenheit gepaart mit hoher inhaltlicher Professionalität ein Tabu-Thema gesellschaftsfähiger gemacht hat. Auch ihr Engagement, mit den eigenen Erfahrungen andere Frauen zu inspirieren, empfinde ich als sehr verantwortungsvoll und begeistert mich.

„Verena Pausder, Gründerin von FoxandSheep und StartupsTeens, habe ich erst durch die Buch-Interviews kennengelernt. Mich hat insbesondere Verena’s großer Erfahrungsschatz durch die Gründung mehrere Unternehmen und ihre starke Ehrlichkeit und Offenheit beeindruckt."

Aufgrund ihrer gewissen Gelassenheit durch ihre Gründungserfahrungen gepaart mit ihrem sehr sympathischen Wesen war ich direkt Verena-Fan.

„Zudem hat mich Fempreneur Summit-Speakerin Milena Glimbovski, Gründerin von Original Unverpackt, darüber staunen lassen, dass sie bereits in sehr jungen Jahren zwei überaus erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen auf die Beine gestellt hat und dafür international Anerkennung erhielt."

Trotz all dem medialen Rummel hat sich Milena ihre Authentizität und Kreativität erhalten und mit dem Buch „Ein guter Plan“ ein Produkt geschaffen, das ganz am Puls der Zeit ist und das ermutigen soll, seinen eigenen Weg zu gehen.

Liebe Maxi, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim erste Fempreneur Summit.


Diese Artikel ist zuerst bei unserem Partner Für-Gründer erschienen.


Leave a Reply

Translate »